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Warum wir die Musik mögen, die wir mögen.

In westlicher Musik kennen wir Dissonanz und Konsonanz, manche Intervalle klingen für unser Ohr harmonischer als andere, z.B. klingt eine Quint homogener als der Tritonus, der sogar von der kath. Kirche lange Zeit als das Intervall des Teufels bekannt und verboten war. Stellt sich die Frage, ob diese Vorliebe für Konsonante Klänge in unserem Gehirn von Geburt an eingeschrieben ist oder nicht.

Jahrhunderte lang schon gibt es zwei verschiedene Meinungen über unsere Reaktion auf Konsonante und Dissonante Klänge. Das eine Lager geht davon aus, dass unser Gehirn angeboren auf konsonante Zusammenklänge angenehmer reagiert, während das andere Lager die Meinung vertritt, dass derartige Vorlieben kulturell bedingt und damit anerzogen sind.
Schwer zu beurteilen, welche Meinung richtig ist und auch schwer zu testen, da westliche Musik überall auf der Welt gehört wird, und damit fast alle Menschen der Welt die in westlicher Musik enthaltenen konsonanten Klänge gewohnt sind.

2010 haben der Neurowissenschaftler Josh McDermott (Massachusetts Institute of Technology) und der Anthropologe Ricardo Godoy (Brandeis University) ein Hörexperiment versucht, in welchem eine Anzahl Teilnehmer eines Amazonasvolk namens Tsimane, die nur einen sehr eingeschränkten Zugang zu westlicher Kultur und Musik haben, ihre Vorlieben für Dissonanz und Konsonanz bewerten sollten.

Der gleiche Test wurde mit einer Gruppe bolivianischer Einwohner, die nicht weit von den Tsimane leben und einer Gruppe aus Amerika, zusammengesetzt aus Musikern und Nicht-Musikern, gemacht.

Das Ergebnis war, dass das Naturvolk der Tsiname dissonante und konsonante Klänge als gleichwertig betrachtete, und die Gruppe aus Bolivien nur geringe Präferenzen zeigte. Die amerikanischen Teilnehmer jedoch eine deutliche Vorliebe für konsonante Klänge bestand. Diese Vorliebe war am unter den Musikern zudem grösser als bei den Nicht-Musikern.

Andere ebenfalls in dem Test enthaltene nicht-musikalische Klänge wie z.B. Gelächter wurden von allen Gruppen gleich bewertet.

Laut Josh McDermott lässt sich daraus schliessen, dass die Vorliebe von Konsonanz gegenüber Dissonanz vom Kontakt mit westlicher Kultur abhängt und dementspechend angelernt ist.

https://www.sciencedaily.com/releases/2016/07/160713143021.htm

Welche Rolle spielt Sound bei der Wahrnehmung unserer Welt

Manche Dinge sind unweigerlich verbunden mit Sound. Sie besitzen einen eigenen, ihnen zugehörigen Sound, oder sie können einer Soundkategorie zugeordnet werden. (z.B. eine Glocke oder ein Motorrad). Andere Dinge wiederum besitzen keinen eigenen Sound, (z.B. ein Tisch oder ein Kissen).

An der Università degli Studi di Padova haben Wissenschaftler versucht herauszufinden, welche Rolle der Sound eines Objekts in der Wahrnehmung desselben spielt.

Die Problemstellung:

1. Erkennen wir ein Objekt in zwei Schritten, nämlich indem wir es zuerst visuell nur einer bestimmten Objektkategorie wuordnen und erst in einem zweiten Schritt die typischen Eigenschaften des Objekts, inklusive Sound aktivieren, um es benennen zu können?
(Also erst sehen, dann Eigenschaften aktivieren, um es benennen zu können.)

2. Oder rufen wir alle Eigenschaften, die wir bezüglich eines Objekts gespeichert haben, sofort gleichzeitig ab? Damit wäre die visuelle Erfassung des Objekts gleichzeitig auch die Aktivierung aller damit verbundenen Eigenschaften, inklusive Sound.

Bei der Variante 2 hätte die Aktivierung von Sound, die in diesem Fall gleichzeitig mit dem visuellen Erfassen des Objekts stattfindet, eine entscheidende Bedeutung im Erkennen und Benennen eines Objekts.

Frühere Studien belegen, dass sowohl visuelle als auch akustische Informationen an der Erkennung von Objekten beteiligt sind. Wir können z.B. ein Objekt schneller identifizieren, wenn Bild und Sound des Objekts zueinander passen. Passt der Sound nicht zum Objekt (z.B. wenn wir eine Glocke sehen, aber gleichzeitig eine Autohupe hören), brauchen wir länger, um es zu erkennen und zu benennen. Dies belegt zwar, dass Sound bei der Erkennung von Objekten eine Rolle spielt, aber nicht, ob wir Sound direkt mit allen Eigenschaften eines Objekts im dem Moment abrufen, wo wir das Objekt visuell erfassen, oder eben erst nach dieser Erfassung.

32 Teilnehmer wurden vom Forscherteam in Padova also einem Test unterzogen, in welchem sie verschiedene Objekte, als Bilder präsentiert, visuell erfassen und so schnell wie möglich benennen sollten. Teils Objekte, die einen typischen Sound besitzen und teilweise Objekte, die selbst keinen eigenen Sound besitzen. Alle Objekte wurden zweimal gezeigt, wobei bei Objekten, die einen eigenen Sound besitzen, dieser durch White Noise ersetzt. Das zweite mal wurden diese Objekte ganz ohne Sound gezeigt.

Es wurden also keine objektbezogenen Sounds präsentiert, sondern Stimuli (White Noise), die das Hervorrufen dieser Sounds im Erkennungsprozess des Betrachters stören und unterbrechen sollten. Frühere Studien haben belegt, dass derartige akustische Störquellen den Vorgang, Soundinformation im Gehirn abzurufen, ausser Kraft setzten können.

Diese akustische Manipulation erlaubte es festzustellen, welche Rolle die Aktivierung von Soundvorstellungen bem Erkennen von Objekten spielt.

Einfach ausgedrückt: Aktivieren wir unsere Soundvorstellungen eines Objekts erst nachdem wir das Objekt visuell erfassen, müsste unsere Fähigkeit, ein Objekt zu benennen trotz der Störquelle White Noise (die gleichzeitig mit dem visuellen Erfassen erfolgt) unberührt bleiben. In diesem Fall wäre bewiesen, dass wir Sound erst nach dem Sehen abrufen.
Aktivieren wir Soundvorstellungen jedoch gleichzeitig mit dem visuellen Erfassen eines Objekts, müsste die Störung durch den White Noise (die ja gleichzeitig mit dem visuellen Erfassen stattfindet) unsere Fähigkeit, Objekte zu benennen sehr wohl beeinflussen.
In diesem Fall hätte die Aktivierung unserer Soundvorstellungen einen eindeutigen Anteil an der Erkennung von Objekten.

Das Ergebnis der Studie ist, dass die akustische Störung durch White Noise bedeutenden Einfluss hat auf das Erkennen von Objekten, die einen eigenen Sound besitzen.

Die Wissenschaftler der Università degli Studi di Padova kamen zu dem Schluss, dass es zwingend notwendig ist, die mit einem Objekt verbundenen akustischen Eigenschaften in unserem Gehirn zu aktivieren, um es zu erkennen und zu benennen.

Allgemein bedeutet das also, dass objektbezogene Soundeigenschaften einen Teil unserer Fähigkeit ausmacht, Objekte zu erkennen.

Referenz:

http://journal.frontiersin.org/article/10.3389/fpsyg.2014.01139/full

Research Srtikel:
https://doi.org/10.3389/fpsyg.2014.01139

White Noise

https://de.wikipedia.org/wiki/Wei%C3%9Fes_Rauschen